Silo
Ein Hänger mit rottendem Gras vor dem Fenster, das innerhalb von einem Tag deutlichen Silagegeruch verströmte, brachte mich auf den Gedanken, mal über die Dörfer zu fahren. Der Erfolg war ein merkwürdiger Trauerschub, es haben alte Wurzeln gezwickt und gezwackt.
Ein Kind auf einem riesigen, gepflasterten Hof eines Anwesens, neben dem Trecker etwas auf die Steine malend.
Dorfdisco - Ankündigungen.
Ich habe so einen Pullover, der riecht wunderbar eingewohnt, ein ganz ganz kleines bisschen nach nassem Schaf, den möchte ich gar nicht waschen. Und da war dann noch die Dame, die ich vor 25 Jahren liebte, die trug immerzu so einen Wollponcho, der roch genau so wie mein Sweatshirt nach ein, zwei Tagen im Wald beim Holzmachen. Also nicht nach Schweiß, also wie man sich Angestelltenschweiß vorstellt im pflegeleichten Hemd, sondern nach Schweiß, der sich mischt mit dem dünnen Moos, was an den Sachen hängenbleibt, wenn man die Meterstücke wegträgt, und mit etwas Motorsägenöl. Die ganze Wohnung roch so, mit Schäferhund, nur die tablettenkranke Mutter, die roch etwas anders, aber die war selten da.
Heute morgen
roch es wie an dem Tag, als ich morgens um fünf nach einer durchsoffenen Nacht in Florenz nach Hause "ging", und die Straßen mit dem Wasserwagen saubergemacht wurden.
Heute ist Ozon draußen,
Kinder geht mal raus, das ist gesund, sagte unsere Mutter, glaube ich. Eine Mauer, an der ich heute nach Sonnenuntergang entlang lief, roch genau so.
Eingeschlagene Hosenbeine,
wie für die Anbringung einer Fahrradklammer, jedoch in die auf etwa Wadenhöhe hochgezogenen, handgestrickten Wollstrümpfe gesteckt, das würde ich gerne wieder einmal sehen.
Zweitakterabgas
und der Herbst 89, ein kühler Vormittag auf dem Balkon, meine Tochter, leicht wie ein Brot, schläft auf meinem Bauch unter dicken Decken.
Majordomo
Eben ein Stündchen mit einem Mailinglisten - Programm hin und her gemailt, Listen angelegt, Leute eingetragen. Etwa 18 Jahre alte Erinnerungen an so ein Interface in den Mailboxen - wie war das aufregend, das erste mal eine Quittung von Herrn Majordomo zu bekommen ...
überhaupt: bayern
gestern in einer kleinen reportage die well - brüder und polt nicht musik machen gesehen, sondern im interview sprechen hören.
es gibt diese art der süddeutschen, eine mischung aus freundlichkeit, arroganz, humor, selbstzufriedenheit und -sicherheit, in der selbst der dünnste hering wirkt wie ein bierkutscher - man möchte sich darin einwickeln, reinschlüpfen als wurzelloses 'preußenkind'.
xaver, ein noch nicht 'fertiger' pfarrer, der einen liedermacher aus der ddr, der nach einem schlechtbesuchten konzert auf einer veranstaltung gegen den nachrüstungsbeschluß trotzdem seine volle gage haben wollte, erstmal zwanzig minuten argumentieren ließ, und dann nur mit einem wort entgegnete: "moinsch"?
nach einem bild für eine geburtstagskarte gesucht
und eine serie von einem 'mittelaltermarkt' gefunden. die besucher waren fast alle verkleidet, und kauften an den ständen weniger die üblichen vollkornfladen oder honigmet, sondern umhänge, lederwesten und ausrüstung.
heute ruft so ein isoliertes bild den geruch von leder und schaffellen wach, vor allem aber den von kühen, und diesen etwas milchsauren geruch, der auf all den höfen im allgäu in jedem raum war.
ich möchte nicht zurück, aber es ging etwas verloren: das gefühl, zur richtigen zeit am richtigen ort zu sein. vielleicht einfach auch nur die selbstzufriedene wohligkeit, die heute die kunden im bioladen möglicherweise immer noch haben, das richtige zu tun, das gute.
spaß mit strom,
so lebt die tochter gerade, computer, fernsehen und das neue mobile. gestern kam ich heim, und hatte das gefühl, eine kranke zu besuchen - einkauf reingeschleppt, ofen angeheizt, und dieser faule teenager mit dem habitus eines reifen camenberts liegt auf den sessel gegossen und friert aus bewegungsmangel. jetzt werden aber andere saiten aufgezogen, jetzt weht aber bald ein frischer wind, so gehts aber nicht weiter! (wenn ich mich nur nicht so gut an diese zeit erinnern könnte, in der die erdanziehung um so viel stärker ist!)
abgebranntes schwarzpulver
ist ein prima trigger für ein 1a lausbubengefühl (heute steht hinter jeder ecke kokelnd mißratene brut, diese fetten roten dynamitstangen sind der standard)
(edit: wenn man die dinger mit ein paar lagen tesa krepp ordentlich verdämmt, kann man da noch was rausholen an wumms)
rückwärts mit der db ag
eben im zum ic umgespritzen interregio diesen wunderbaren 1. klasse - retro waggon entdeckt. dann einen merkwürden flash gehabt, und mir das handy in meiner hand mit den augen von ~1985 angeschaut, und gestaunt, was das für eine wunderbare maschine ist, mit all diesen klitzekleinen chips drin, die sich in flächendeckende funkzellen einbuchen, man nimmt das alles so hin, zu meinen amateurfunkzeiten wäre ich völlig aus dem häuschen gewesen darüber.
23.07.2004 / 05:59:06
beim kramen nach archivbildern vom kunsttempel wegen charity - webprojekt mit herrn rick gerade dieses gefunden. es wurde dann ein glühend heißer tag, und ich war schon morgens oben an unserem kitsch - wahrzeichen der stadt.
dieser himmel die letzten paar tage im november jetzt, wie eine umgedrehte schüssel aus, hm, blei vielleicht, es muß dann nur noch windstill sein, und man verliert die gewißheit überhaupt draußen zu sein, so unterschiedslos homogen ist das wenige licht. ich mag das merkwürdigerweise, eben etwas nieselregen noch und kalte luft.
es gab da mal eine sf-geschichte, die mich sehr beeindruckt hat, eine ganze stadt ist unter einer kuppel eingeschlossen, die von einem zentrum aus aufgebaut wird, mit strahlenwellenfeldern. die rettung kommt erst, als man erkennt, daß die energie von außen kommt - die kuppel schneidet sich selbst mit jedem neuen entstehen die energiezufuhr ab. so entsteht eine oszillation, und mit der kenntnis der frequenz findet man das gegenmittel.
HOhohohoho!
hallo, die alltagsethnologen da draußen, bitte eine sammlung der rufe beim kühetreiben erforschen, in der rhön gehts oioioioioi, und in allgäu eben HOhohohoho!
eine noch :-)
ein ausreißer, eine schwarzbunte über 1500m, das sieht man selten, weil eigentlich nur das allgäuer braunvieh so trittsicher ist, aber diese geben mehr milch. was man garnicht genau sehen kann: der kuh klebt ein kleeblatt auf dem maul...
bruder wollte kühe
aus meinem fotoarchiv, und beim suchen bin ich beinhart vom heimweh überrascht worden - haaach! hier gucken wir in ein allerschönstes hochtal, das almagmach unterhalb vom stuiben bei immenstadt.
dort kommt man hin, wenn man diesen gratweg langspaziert, über den steineberg. das ist so eine haustour, mittag, steineberg, stuiben, und dann ein ewig langes tal längs zurück nach immenstadt, brezen + bier und schön wars.
dann war da noch
dieses haus, das mir auf nicht so ganz erklärliche weise besonders gut gefiel. ich habe ihn selten, diesen immobilienblick, aber da drin würde ich gerne wohnen. die gegend ganz ok, na gut, die schlechteste luft der stadt, wie ich aus meinem studienpraktikum bei lutz katschner weiß, der die CO2 und SO-irgendwas werte mit dem auftreten von pseudokrupp bei kindern korrelierte, aber das spielt erst in ein paar dutzend jahren eine rolle, wenn man mit dem alter ein asthma entwickelt wie meine oma, die aus lauter streß mit ihrem patriarchischen gatten in die ärgsten atmenöte geriet, incl. notarzt. wo war ich stehengeblieben? das haus. diese leichte angegammeltheit nimmt einem den druck, selber da mithalten zu müssen, mein idealbild sind eigentlich die bauerhöfe, auf den ich früher viel war, da ist das dreck- und ordnungsniveau naturgemäß anders.
an langen nachmittagen,
der vater auf schicht, die mutter unterwegs, lag ich im wohnzimmersessel, den kopf über die lehne weit zurückgelegt, und sah mir die decke kopfunter an. ich stellte mir genau vor, wohin ich meine füße setzen würde, wenn dies der boden wäre. auf dem weg in den flur müßte ich die emporstehende lampe umgehen, und dann in der tür das mauerstück übersteigen. die tapete wäre wohl bald voller spuren, und nicht mehr so unberührt.
jetzt zeitgemäßer lesestoff
"homo faber", diesmal aus der anderen perspektive.
hier habe ich über zehn jahre gelebt, mitten in der stadt
auf dem komposthaufen lagen äpfel, die ganz wunderbar in sich zusammengeschnurrt waren, nicht eigentlich schimmlig, sondern nur einfach immer weicher geworden. mit herrn a., der gerade am kompost umsetzen war, über verfall und zersetzung geplaudert, wer weiß, meinte er, ob nicht eines meiner atome mal teil eines spulwurms im arsch eines hundes war. ich habe ihn ein bisschen über seine graffitiforschung ausgefragt, er kannte auch die neue geschichte von dem negativsprayer, der mit einem alten socken und nitroverdünnung loszieht, und seine graffitis als aussparungen in bestehende bilder macht. jetzt müssen sich menschen damit beschäftigen: ist das strafbar, graffiti zu entfernen?
herr a. ist ein menschenfreund, mit dem man ganz wunderbar über die allgemeine zersetzung und die schwarze pädagogik reden kann, die die menschen um uns herum zu dem gemacht hat, was sie jetzt sind. sagt er her a.
der apfelbaum, auf dem die tochter klettern gelernt hat. es ist schön zu sehen, daß jetzt lauter neue kinder ihre spuren in dem garten hinterlassen. von vorn sieht dieser häuserblock aus wie albanien, und hinten ist christiania. lauter schräge vögel haben da ein stück grabeland, manchmal denkt man, g. sucht die leute danach aus, wie wunderlich sie sind.
ein schreiner ist jetzt auch da, der merkwürdige installationen im garten baut, ein großes schiff, in dem die kinder jetzt spielen, aber dieser zaunpfahl mit den gesichtern ist von jemand anderem, der steht auch schon länger da.
diese trockenmauer habe ich vor sechs jahren mal gebaut, zum austoben, in einen erdhaufen hinein, der irgendwann einmal auch ein kompost gewesen war. das war eine schöne arbeit, auch wenn herr dr. nemo bestimmt denkt, na das geht aber besser.
daneben ist der feuerplatz. lange zeit konnte man fast jeden abend auf verdacht einfach hingehen, irgend jemand war immer am herumrußen, das war schön, und man roch am nächsten morgen immer so gut nach rauch.
in der werkstatt von p., die langsam zuwächst - beute von allen schrottplätzen der stadt - steht jetzt auch eine kleine mechanikerdrehbank, der reitstock ist sogar noch ganz gut beieinander, wenn auch schon einmal geschweißt. er zeigte mir die halterung für den drehmeißel, die er nachgebaut hatte, weil sie nicht mehr dabei war.
heute hat es wieder funktioniert - seit langem das erste mal - diese ruhe zu spüren und auch selber ruhig zu werden und nicht zynisch und gehässig über diese käuze da, von denen ich mal selber einer war.
lotsa lotsa lotsa male plugs
die mußte man in einem kleinen, muffigen modelleisenbahnladen nachkaufen, wenn die coolen rechteckigen originalstecker verloren waren, die in den schaltstab gehörten.
kleine dinge
diese kleine kreissäge gehört zu einem spielzeug, das aus einer dampfmaschine und verschiedenen werkzeugen besteht. zur kraftübertragung wird eine lange, dicht gewickelte spiralfeder verwendet. ich wollte diese maschine immer gerne haben. diese faszination, selbst kraft erzeugen zu können..
erwin bitte melden
zu hause bei den eltern hatte ich zu einem nachbarsjungen eine leitung gelegt (2 x 075mm² flexibel, braune isolierung). jeder hatte ein mikrofon in seinem zimmer, das über einen verstärker in die leitung speiste, dazu ein lautsprecher im eigenen zimmer, und beim gegenüber.
eine einfache gegensprechanlage also, man hörte sich aber selbst im eigenen lautsprecher (verstärkung also nicht zu groß einstellen, rückkopplung droht).
wir unterhielten uns abende lang über alles. der ruf, um zu gucken, ob er da ist, war: "erwin bitte melden".
die schillerstraße in münchen,
einkaufen bei rim, und später dann bei conrad, mit den jahren immer mehr elektronikgeschäfte, und dazwischen "nachtclubs" mit schwülen auslagen, die überraschung als halbwüchsiger angesprochen zu werden von einem aufreißer, und dabei völlig abgelenkt und gefangen zu sein vom kauf der ersten gerade so bezahlbaren leuchtdiode, fast 5 mark, diese rettung durch die technik in dieser zeit.
der größte wunsch mit 12:
diese wechselsprechanlage aus dem katalog von radio rim im kinderzimmer, die gegenstelle montiert über der wohnungstür, und die mutter völlig überfordert damit: ich wollte doch nur mit abstand sprechen, und sie verstand die worte ainfach nicht, die aus dem lautsprecher krächzten.
versandhauskataloge und viel sahnetorte
zusammen mit den enkeln.... (meine erinnerung)
gutmütigkeit und zufriedenheit, im gespräch immer diese halbsätze und gebrummten worte, die verständnis und völlig fehlende kampfbereitschaft signalisierten.