gemäßigte kleinschreibung,
wie sie zum beispiel dänemark bei der rechtschreibreform 1948 einführte, setzt heute die taz ein. (angeblich wurde der dänischen bevölkerung die reform schmackhaft gemacht, indem gefragt wurde, "Wollt Ihr noch so schreiben wie die deutschen?".)
otl aicher hat ende der 50er jahre die durchgängige kleinschreibung vorgeschlagen. "Aicher ging es um eine andere Größe: um die reine Demokratie, um eine Schrift, die nur dem Guten dient. Er war auf der Suche nach einer 'wertfreien gesellschaftlichen Kommunikation'. Mit großen Buchstaben, so meinte er, konnte das nicht gelingen. Für ihn repräsentierten die Versalien Herrschaft und Unterdrückung.". die u.a. von otl aicher gegründete hochschule für gestaltung (hier das archiv) wurde während der amtszeit von filbinger geschlossen, formal aus finanziellen und personellen gründen.
mir selbst ist die kleinschreibung vertraut, seit ich durch meinem vater das gewerkschaftsorgan der ig druck und papier kennengelernt habe, das, zumindest in dieser zeit, in konsequenter kleinschreibung verfaßt war.
interessant wäre, ob sich raf und rz in aichers oder dieser tradition sahen.
edit: hier noch eine schöne quelle zu den "barocken gläubigkeitsbeweisen", die die grundlage unserer versalien bilden.

