typ.o // provisorium

London Public Transport

London non public drinking

Dockland Light Railway fake driverless train

Bei Geestenseth, da wo nix mehr kommt...

Vier Nächte Entfernung von Wechselrichtern, Verträgen, Straßenbahnen und eingeschweißten Lebensmitteln. Wir ziehen ein in den ausgebauten Schuppen, natürlich steht im Bücherregal von John Seymour "Das große Buch vom Leben auf dem Lande", Erstauflage von 1976.

Mit verbundenen Augen ins Haus geführt, hätte ich auch ohne das Buch schon eine Zeitreise gemacht. Der Mix aus etwas Rauch, Schaf und dieser Geruch "ländliche Küche", zusammen mit dem Geräusch des Wasserkessels..

Schön, wie schnell man sich zurechtfindet mit diesen vielen Regeln, welche Sorte von Resten für die Hühner, die Schafe, den Kompost, ins Feuer.

Akademikermüskelchen mühen sich mit der Spaltaxt, gut, wenn das Pappelstücke sind, für Anfänger, die wurzelnahen Enden der Eiche habe ich mir zur Seite gelegt fürs zweite Drittel, wenn schon wieder ein wenig Übung da ist. Am Ende bekomme ich die Axt nicht mehr hoch, und lasse den letzten Klotz liegen, mit einem albern kleinen Hieb auf der Oberseite.

Allein zugekauft: Das Salz im Brot und in der Wurst. Dieses Kochen aus der vollen Speisekammer! Diese Tassen mit Sahne! Der Schweiß, am Küchenherd stehend, und noch einen Scheit nachgelegt. Grete Lund fiel mir ein, mit ihrem "Kökensnapsen", stattdessen ein Bier am Herd, Holsten. Kochen für viele, wie gern ich das mache!

Vor der Tür mit den Damen, nicht immer war der richtige Tag, aber der Wind preift einem sowieso den Schwurbel aus dem Kopf, und am Ende freuen sich alle, wieder an den Ofen zu kommen. In der Nähe der Baracken mit den zigtausend Hühnern ein Vogelskelett, so leicht, der Schädel!

Das Lernen geht so einfach, man muß nur die Augen offenhalten, dann strömt einem das Wissen nur so zu, frei nach Max Goldt. Die Literatur an diesen Tagen: Juli Zeh: "Die Stille ist ein Geräusch", eine Fahrt durch Bosnien, viel erträglicher im Stil als "Spieltrieb", nicht dieser geschwätzige, unangenehme Einsatz von vergleichenden Bildern für alles und jedes.

So, und was haben wir gelernt, was haben wir mitgebracht? Unser Gastgeber, ein mit halber Geschwindigkeit sprechender, Norddeutscher Ex-Tabakkaufmann, Ex-Grundschullehrer, Ex-Sonderpädagoge, mit dem man sich wunderbar unterhalten kann, diese Verwandheit mit manchen Süddeutschen, dieses lakonische, oder Maulfaule. Und noch? Den eigenen Begriff von Entfremdung wieder etwas aufgefrischt, über Selbstbestimmung in selbstgewählten Zwängen nachgedacht.

Urlaub auf dem Bauernhof,

ab Freitag, vier Tage. Ich freu mich jetzt schon auf das platte Land bei Bremen. Bisschen helfen (vielleicht kochen, oder Schafe sortieren, oder was man so mit Schafen macht, und mit dicken Schuhen herumwandern).

so trolleys können nicht so gut ausweichen, wenn mal ein lkw im weg steht, sonst macht es farz! und sie sind stromlos.

dafür machen es sich die fahrer drinnen wenigstens schön gemütlich. (bislang nicht sicher geklärt: die funktion dieser beiden roten seilrollen, die mit federkraft das seil zu den stromabnehmern gespannt halten: wozu?)

tausend soldaten, tausend generale, <% link to="http://www.rheinmetall-detec.de/index.php?lang=2&fid=1902&query=mauser" text="mauser" %>, peng, peng

auf dem busbahnhof von plunge warten wir eine stunde, ich gehe in die kleine bude, vor der zwei biertischgarnituren stehen. drinnen große aluminiumtöpfe direkt auf der theke, suppe, kartoffen, goulasch. ich kaufe einen hühnerschenkel und ein bier, ohne großen hunger, eher aus begeisterung über die krude einrichtung der bude.

draußen nage ich das fleisch vom hühnerbein und stecke den plastikteller in die blechtonne, in der der müll ist.

zehn minuten später kommt eine abgerissene gestalt mit einer grob genähten platzwunde am kopf auf uns zu, sammelt herumliegende kronkorken auf, und bringt zwei benutzte plastikbecher in die bude. wieder draußen geht der mann auf die mülltonne zu, holt meinen plastikteller heraus, nicht ohne vorher mit mir blickkontakt aufgenommen zu haben, und ißt die reste. während bestimmt zehn minuten habe ich gelegenheit zu sehen, was ich alles übrig gelassen habe.

nach der fragenden geste auf meine bierflasche, in der noch ein rest ist, gebe ich ihm diese, kurz darauf kommt er mit einem leeren bierglas aus der bude, und gestikuliert mir die frage zu, ob ich ihm ein bier kaufe.

ich hole zwei, und in dem versuchten gespräch antworte ich auf die fragen "alpinista?" (wegen unserer bergstiefel) no, no, und "amerika?" no, germany, wir sind deutsche.

"ah! deutsch? tausend soldaten, tausend generale, mauser, peng, peng"

kasimir mit seinem kurzen, aber aussagekräftigen bild von deutschland wurde etwas später vom chef des büdchens verjagt, warum, habe ich nicht verstehen können.

litauen: essen und trinken

geräucherte schweineohren in streifen, fritierte brotstücke mit viel knoblauch, sehr frischer käse, und eine schale mit kaltem bohnensalat, zwiebelschlotten und speck. mehr...

litauen: atomraketensilo

mitten im nirgendwo im naturschutzgebiet zematija im westen von litauen liegt die ehemalige bunkeranlage zum start der r12 atomraketen, nato - bezeichnung ss4. die vier raketen trugen jeweils eine 50-fache ladung der hiroshima - bombe.

bis zum letzten jahr konnte man den schlüssel für die bunker noch bei der pferdeverleihstation abholen. inzwischen gibt es nur noch begleitete führungen, das war aber trotzdem gut, da es einige extrainfos gab.

eine bizarre aktion, mit einer handvoll leuten da einzusteigen, der bunker weitgehend leergeräubert (nach dem abzug der russen stand der einfach eine weile leer, und alles, incl. der bodenplatten, wurde herausgeschweißt und abtransportiert - man fragt sich, was da für gifte jetzt in manchen vorgärten ruhen).

bilder aus dem inneren

russische petroleumlampe zur stromerzeugung

aus dem postmuseum in kaunas, litauen. die lampe nutzt den seebeck - effekt, um für einen einfachen rundfunkempfänger strom zu erzeugen. die alurippen sind die kühlung, die heiße seite des seebeck - elements ist im abgasstrom der lampe.

auf meine frage nach der funktionsweise rief die museums - kassenfrau den archivar an und holte die russischen originalunterlagen der lampe, gemeinsam fanden wir im deutsch - englisch - litauisch - russischen durcheinander die bezeichnung für das funktionsprinzip.

dieses wattige gefühl von abstand zur realität,

man kommt in die arbeit, und das erreicht einen alles noch gar nicht so richtig. kollegen, jaja, neue probleme, jaja, wir sprechen dann mal drüber heute nachmittag... (heute abend ersma cd - beute anhören vom wo.e., und bisschen die webseiten der musiker da abklappern. beschlossen: damnächst mal zu gerd polt und biermösl blosn, gleichma gucken.)

reiseplan überhaupt, ideen für dieses jahr: genua, sei kulturhauptstadt 04, las ich gestern, in diesem zusammenhang unbedingt graz, aber das steht ja schon seit dem frühjahr auf der liste, im sommer 2wo nach litauen, frau karlalotte hat da schon flugscheine bestellt, ahh, so kann man sich in schöne stimmung bringen, hihi. (körpereigene endorphine)

die erlösung ist nahe!

schwester paula war sehr nett zu uns, es gab morgens auch 1a prima kaffee

ein großes anliegen war dann noch, von uns beiden zusammen reisenden männern zu hören, wie es denn unseren frauen(!) und kindern(!) geht, beruhigung wenigstens am morgen danach.

passend zum see





sind mir im buchladen gleich "meßmers gedanken" von martin walser in die hände gefallen. kurze zeilen:

Verlust ist fast ein rein wirtschaftliches Wort geworden. Gewinn sowieso. Reiner Verlust. Reingewinn.

in der arbeit fielen mir immer wieder mal sätze von walser ein, jetzt eben diesen gelesen:

Der geheime Wettbewerb. Der, dem es am schlechtesten geht, ist am meisten gerechtfertigt. Machtausübung durch Unglücklichsein. Das Unglück darf aber nicht aussehen wie Erfolglosigkeit. Unterwerfung anderer dadurch, daß man erfolgloser unglücklich ist als sie.

beinahe unheimlich, wie genau das die situation in diesem laientheater beschreibt, und tröstend zugleich: offensichtlich ist es nicht ohne beispiel.

aaaah - herrenabende,

wieder mal,

an diesem wochenende mit herrn h. nach köln zu andreas rebers, kabarett (auf die idee wäre ich selbst nie gekommen), vielleicht auch mit einem stopp im rheingau auf dem hinweg. das bringt abstand von der arbeit. sehr schön (ich bin ansonsten ja kein in - den - urlaub - flüchter, aber momentan geht es einfach zu zäh hier)

leuna und buna haben wir uns genauer angeschaut,

und sind dazu von der radroute runter. von den leunawerken habe ich auch noch ein paar fotos um mitternacht gemacht, aber die sind noch im labor...

kühlturme bei leuna, atomkraft, denkt man erstmal, aber nie im leben dürfte man so nah dran, daß man das wasser rauschen hören kann.

die eingänge zu den werken sind prachtvolle industriearchitektur. wann das wohl gebaut wurde? hier stand was von frauen am tor, also schon umgenutzt.

der rest der leunawerke erscheint wie viele "innovationsparks" zerfitzelt an kleine firmen gegangen zu sein, dutzende schildchen am eingang mit -tech, -consult, -solutions und ähnlichem blah drauf.

buna: das kraftwerk im hintergrund gehört eon, der rest des werks überwiegend dow chemicals. pv und pvc werden dort hergestellt. unmittelbar nach diesem foto bekamen wir schon besuch vom werkschutz...

am ortsausgang von buna. für die mitarbeiter der werke, habe ich mir gedacht.

zu heiß zum rausgehen,

so kann ich schon mal bildchen sortieren hier. urlaub machen und eine fotodokumentation erstellen ist nicht das gleiche, deswegen dachte ich jetzt öfter: mist, da waren wir ja auch noch, und 'gibts wieder kein bild :)

aber eigentlich waren wir ja zum radfahren da:

vom unspektakulären ursprung der saale etwas südlich von hof in franken

lieblich bergab rollen, ab und zu ein feiner see zum campen, so denkt man, ist radwandern am fluß.

etwas weiter unten ist die saale schon tief ins mittelgebirge eingeschnitten, und der weg am flüßchen lang geht immer bergab, wenn ein zufluß kommt, und bergauf, wenn man wieder die ausgangshöhe haben will. viel kraft gebraucht, viele höhenmeter.. und einen nagelneuen satz bremsgummis verschlissen.

unterwegs immer wieder an resten von industrie gehalten, hier an einer papiermühle, deren kollermahlwerk ~1890 auf der pariser weltausstellung gezeigt wurde. heute ein etwas revisionistisch angehauchtes museum drin.

nach ein paar tagen ist man auf die zeichen konditioniert wie der frosch auf die fliege.

nach merseburg dann langsam echte auenlandschaft, etwas weiter unten von ziegen abgeweidet: 1a prima golfplatzrasen zum campen. reiher, frösche, komische vögel.

<hach!>

nach 4km brutalem kopsteinpflaster, wohl mindestens 200 jahre alt, ein dorf, dann wieder kilometerlang kopfstein. mitten im nirgendwo, hier ausnahmsweise mal eine bushaltestelle, kein laden, kein telefon. hier möcht' man nicht gerne alt sein und ohne enkel...

breit geworden die saale, und schon gehts in die elbe. gut 400km, zwei wochen, mit tagesetappen von z.t. nur 30 km, die aber so steil, daß wir die räder gerade mal so geschoben bekamen ...

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