frisch auf dem nachttisch eingetroffen:
- tom robbins: "salomes siebter schleier"
- t.c. boyle: "grün ist die hoffnung"
- haruki murakami: "hard boiled wonderland"
- paul auster: "nacht des orakels"
.. nach niederschrift niedergelegt.
.. nach niederschrift niedergelegt.
"die auslöschung", empfehlung von herrn parka lewis, ein langes zitat, deswegen gleich nachts noch wie immer beim alternativen buchladen bestellt, liegt jetzt oben auf meinem lesestapel.
schade, die verkäuferin, die mich gut kannte ("kunden, die thomas bernhard gekauft haben, lesen auch ..."), ist nicht mehr da, statt dessen eine kämpferische frauenfrau, die mit ihren kumpaninnen die neuen bücher mit zigarettinnen vollqualmt, naja.
håkan nesser, "kim novak badete nie im see von genezareth". "krebs-treblinka-liebe-bumsen-tod, dachte ich, was ist das für ein buch, das du da schreibst, henry, mein bruder?"
zwei schuljungen in schweden, sommer, am ende wird es ein krimi, völlig fesselnd die einsichten in die gedanken der jungs. las sich sehr schön weg...
von haruki murakami: "mister aufziehvogel", herr rick hat mich angefixt. 764 fette seiten, noch ungeöffnet, das ist was schönes ...
uwe timm: "rot". freu mich schon auf's wochenende mit herrn timm.
jasper fford, der fall jane eyre. der klappentext erdreistete sich, douglas adams zu vergleichszwecken zu erwähnen, aber, in der tat: berechtigt. schönen dank an frau karlalotte, die mich mit der übersetzung versorgt hat, weil diese bücher, in denen alles englisch drin steht ... muß ja nicht. (vielleicht nach der deutschen fassung, dann blättere ich mehr im buch als im wörterbuch)
gero von randow: 'genießen' - eine ausschweifung. fein, sehr fein!
ein angestellter ein kölner firma weigert sich, nach seinen urlaub an einem allgäuer see zurückzukehren, und arbeitet einfach fortan dort. seinen schreibtisch stellt er am wasser auf, und mit seinen kollegen korrespondiert er per post, die, so schreibt er seinem vorgesetztem, schneller ist als die hauspost.
es ist der versuch, das "gute leben", zu leben, nicht so radikal wie in "walden oder: das leben in den wäldern", realistischer, und obwohl das buch 1971 erschien, heute dank internetz umsetzbarer.
Am Ufer spielte die Katze. Eigentlich war ich zum See hinunter gegangen, um zu schwimmen, aber die Wolken störten mich, der kühle Wind und die kühlen Wellen. Ich massierte meine Füße, begutachtete den Himmel, der mir nicht gefiel, und ich wusste nichts mit mir anzufangen. Zuweilen kommt man in solche Situation. Man hat alles, was man will: Urlaub, Freizeit, Freiheit, See, Wiese, Stille, Raum und Zeit. Aber man fängt nichts damit an. Man sitzt da, reibt sich die Füße oder den nackten Bauch und weiß nicht, warum man das tut. Die Minuten verrinnen, die Zeit fließt dahin, und erst Wochen später, wenn man an seinem Schreibtisch sitzt oder ungeduldig ein Taxi herbeiwinkt, fällt einem ein, dass dieses Trödelleben am Seeufer nicht sinnvoll ausgenutzt wurde. Man hätte doch wandern können oder schwimmen sollen, sagt man sich, aber im entscheidenden Augenblick kommt man nicht darauf. Man massiert die Füße, sieht die Katze am Ufer und massiert wieder die Füße. Das Leben ist da, denkt man, und man nimmt es hin. Man genießt es sogar, aber man genießt es in der Vorfreude ganz anders als in der Erinnerung, an Ort und Stelle anders als in seinen Plänen, und wenn die Wolken dunkler reagieren, als man es erwartet hat, kommt man aus dem Konzept. Man döst dahin, aber vielleicht ist gerade das Dösen eine gute Philosophie.
sein gesprächspartner ist die (etwas existentialistische) katze, bauer greiff und sein sohn, und nurmi, der rückwärts lebt. diese fabel erscheint zuerst etwas aufgesetzt, hält das buch aber mit den sich daraus ergebenden fragestellungen zusammen.
Ich hatte plötzlich das Gefühl, daß sie mit mir spielte wie der Direktionsvertreter meiner Kölner Firma, und ich fragte sie ziemlich schroff: Was genügt dir überhaupt? Das Gefühl, sagte sie, erwünscht zu sein und gebraucht zu werden. Mit Streicheln sei es nicht getan; viele Leute streicheln nur deshalb, weil sie sich ablenken, sich selber bestätigen oder beruhigen wollen. Es kommt darauf an, warum man streichelt, sagte sie. Also auf das Gefühl, meinte ich. Auf Gefühl, sagte sie, und auf Einsicht. So, auf Einsicht. Was soll ich einsehen? Man könne nur einsehen, erwiderte die Katze, wozu man bereit sein. Jetzt war unser Gespräch wieder einmal da angelangt, wo wir es nicht hinhaben wollten. Irgendeine unbedachte oder erregte Antwort hätte Streit ausgelöst, und ich wollte mich nicht streiten. Ich sei doch gut zu ihr, sagte ich, und darauf komme es an. Sie hielt nichts von Güte. Güte, sagte sie, sei eine widernatürliche Eigenschaft. Güte ziele darauf ab, die Wünsche des anderen zu erfüllen und die eigenen Wünsche zu unterdrücken. Mit Güte, sagte die Katze, gibt man sich selber auf, und bringe dem anderen bei, daß nur dessen Wille Geschieht. Immerhin ein Zeichen von Liebe, sagte ich. Man liebt nicht, erwiderte die Katze, wenn man nachgibt oder verwöhnt. Sie jedenfalls ließe sich nicht deshalb versklaven, weil ich ihr Milch gäbe oder meine Hütte warm hielte. Die Hütte, behauptete sie, hielte ich auch ohne sie warm, und wenn ich ihr nur deshalb Milch gebe, weil ich mir dabei gütig vorkäme, dann könne sie darauf verzichten. Sie käme auch mit Seewasser aus, um ihren Durst zu stillen. Sie legte wert auf die Einsicht, ohne mich leben zu können, und erst wenn sie diese Einsicht verlöre, wäre es aus mit uns. Wer liebt, sagte ich, muß auch nachgeben können. Nur dann, wenn er das freiwillig täte. Sie war verstimmt. Und wodurch weiß man, was man freiwillig, was man aus Liebe tut?
alle drei bände sind getragen von einer schönen schlichtheit und erzählerischen ruhe. die geschichte spielt, wie ich herausgefunden habe, am öschle-see, in dem ich früher im gebadet habe, während meiner ausbildungszeit. werner koch war kulturredakteur beim wdr, und heute weist das telefonbuch von dem dorf am see einen eintrag "koch, werner, schriftsteller" auf.
Nachher sagte er: Man müsste einen Menschen erfinden, der mit 25 Jahren auf die Welt kommt, 50 Jahre lebt, und in diesen fünfzig Jahren auch nicht eine Sekunde älter wird. Ich dachte darüber nach. Ich sagte: Dann wäre jeder Mensch gleich jung, gleich stark, gleich gesund und aktiv, der Existenzkampf würde härter. Jeder würde befehlen wollen, keiner gehorchen. Der Mensch käme mit gerade dem Wissen in die Welt, das er zum Leben braucht; Schulen wären überflüssig, Altersheime, Krankenhäuser, Rentenzahlungen fielen weg. Der Mensch lebt nur noch dem Augenblick. Was vor ihm war und was nach ihm kommt, interessiert ihn nicht mehr. Interessiert es ihn heute, fragte Nurmi. Es gibt Idealisten, sagte ich. Ja, sagte er, und es gibt Märtyrer, die für eine bessere Zukunft sterben. Die beste Methode aber, mit dem Leben fertig zu werden, sagte er, ist die, den Augenblick zu nutzen. Und das gelingt nur, wenn man die Vergangenheit und die Zukunft abschafft. Beide hindern uns daran, zu leben. Der Mensch, so wie er jetzt existiert, denkt Tag und Nacht im Konjunktiv: Hätte ich doch, sagt er sich, könnte ich doch, würde ich endlich. Er hinkt entweder hinter seinem Leben her oder eilt ihm voraus. Und also verpasst er den Augenblick.
suhrkamp, ISBN 3-518-37283-1