typ.o // provisorium
Freitag, 30. Dezember 2005

Osthoff, Osthoff, jaja Osthoff

buzz, buzz, logisch daß sich die Bürgerlein hochziehen an der verlorenen Tochter, die aus Gefahr gerettet sich gleich wieder hineinbegibt und nicht im schönen Deutschland drin bleibt, wo die Sprayer mit dem Staatspolizei - Hubschrauber gejagt werden.

Aber btw: Was ich ja schon nicht so ganz verstehe, ich meine, abstrahiert von diesem ganz konkreten Fall mit allen nachvollziehbaren Gründen:

Warum jede noch so bizarre Risikobereitschaft von Individualidioten, die allein mit dem Motorrad durch Bürgerkriegsgebiete brummen müssen oder vergleicharen Nonsens treiben, um sich aus ihrer Bäckereifachverkäufer - Langeweile zu beamen, automatisch in beliebiger Höhe durch Staatsaktionen abgesichert sin soll - das leuchtet mir schon nicht so ganz ein.

Bei Krankenversicherungen gibt es ja das Solidarprinzip, richtig so, aber auch da geht mir nicht in den Kopf (abgesehen von der dann nötigen unleckeren orwellschen Überwachungsmaschine), warum ganz prinzipiell alle gemeinsam für jeden Schwachsinn von Einzelnen haften sollen, die sich durch eine ganz persönliche und freie Entscheidung dem Herzinfarkt entgegenfressen und -saufen, und sich dann am Schluß teuer bypassen lassen.

(Eigentlich ist das wieder mal das alte Thema: Regelungstechnisch ist das hier ein offener Wirkungsweg ohne dämpfende Rückkoppelung: So was ist kaum stabil zu bekommen. Deswegen gibts auch so viel Spam: Ist egal, kost' ja nix.)

Dienstag, 27. Dezember 2005

Das erste Enkelkind der Familie wurde in mit UV-Licht sterilisierten Räumen gewickelt, nachdem sich meine Mutter in eine hygienisch gekochte weiße Schürze gekleidet hatte. Zu trinken gab es keine Milch aus der Brust, sondern die viel hygienischere Milch aus der Flasche, in die Brust eine Spritze, damit der Milchfluß versiegt. Der vergebene Name mit arischen Wurzeln, damit der völkische Großvater seinen Willen hatte, seine Kinder hießen zum Beispiel Ortwin und Siglinde, und die Reichskriegsflagge im Schlafzimmer. Eine Spur von Zwang, Neurosen und Verlogenheit geht von diesem Mann durch die Generationen bis in die Gegenwart. Kaum abzuschütteln, ich hoffe ja letztlich irgendwann doch.

In der Eisenbahn mit einer Kamerafrau geplauscht, mit der man sich ganz uncool aufregen konnte über Ungerechtigkeit, über "Geiz-ist-geil" vs. Lebensmittelskandale, und wo auch mal Fragen unbeantwortet blieben, weil Handeln doch eben nicht nur lokal ist, und alles viel komplizierter, als man denkt.

Samstag, 24. Dezember 2005

Mood: Äußerst angenehm moll.

Heute mach ich mir glaubich mal wieder den Spaß, und geh mittags in die Stadt, borderline - Weihnachtseinkäufer gucken. Gestern abend in der Straßenbahn war schon mal ganz prima, so etwa die Stimmung wie in den Trashmovies, wenn Triebwerk eins ausgefallen ist, und sich die Klischeerollen herauszuschälen beginnen, die hysterische Frau kreischt als erste los, und dann die Tunte, "wirmüssenallesterben", und der Green Beret spricht mit tiefer und ruhiger Stimme.

Freitag, 23. Dezember 2005

Übermorgen singwer wieder einfach so im Obdachlosenasyl, das macht mir mehr Spaß als für Geld bei dem fetten Industriebonzen von Braun Melsungen neulich, hier is immer gute Stimmung, alle singen mit, ich hätt gern gehabt daß wir mal wieder "Alkohol" vom Grönemeyer machen, haha, gab keinen Konsens bei den Hänschen.

Wie solls denn sein morgen? "Schön!". Wie schön, daß es nicht schön sein muß, daß es noch nicht mal sein muß.

Jetzt habe ich einen Tannenbaum gekauft, weil ich die Tannenbaumverkäuferin so nett fand, eigentlich, weil ich es nett fand, daß der für mich ausgesucht werden sollte, ohne daß ich etwas entscheiden mußte. Ich mag mich nämlich nicht mehr entscheiden müssen unter welcher Nummer ich telefoniere oder von welchem Anbieter ich mein Wasser kaufe, diese vielen verschiedenen Zahnbürsten überfordern mich völlig, wenn ich doch nur eine brauche. Der lehnt jetzt im Keller und riecht gut, dabei brauch' ich ihn doch gar nicht.

Patchworkfamiliensylvesterkarten, auf denen die vier differierenden Familiennamen schamhaft weggelassen werden. Keine Heile Familie (tm).

Laktatnebelgedanken, Laktatnebelgedanken, immer nur Laktatnebelgedanken.

Die Rubrik "So geht's / So geht's nicht" bei Riesenmaschine ist sehr lustig.

Ich mußte nur ein Weilchen am Fluß sitzen, bis die Leichen meiner Feinde vorbeitrieben.

Donnerstag, 22. Dezember 2005
Mittwoch, 21. Dezember 2005

Mit leicht übersäuerten Muskeln durch die Ziellinie heute,

eine kleine Konferenz, nachher Zeichnungen für einen Prospekt angucken, am Schluß noch mit einem Auftraggeber reden, ob er uns jetzt nächstes Jahr wirklich abklemmt, und mit der frohen Nachricht in die Arme der Helfer mit den Wolldecken, danke es geht noch.

30TEUR am Tag

ist das Salär von Josef Ackermann, sagte das Radio gerade. Ein Text zu dem Herren.

Dienstag, 20. Dezember 2005

Schöne Streifen,

mit denen der Aufsitzmäher mit Streueinheit den Fußweg versehen hat. Das ist sehr ordentlich, das ist sehr genau. Es bleibt die Frage, ob es zur Absicherung nicht besser wäre, den ungestreuten Teil deutlich zu markieren.
Auch: die stark genutzte Treppe zum Friedrichsplatz hoch, mit Schildern "Treppe im Winter gesperrt" an lustlos durchhängen Ketten, so tief, daß jede Oma drübersteigen kann. Es nutzt sowieso jeder die Treppe, weil sie eine wichtige Verbindung durch die Stadt ist.

Hallo, wie gehts?

Ich bin längst auf ein amerikanisches "Prima!" umgestiegen bei Leuten, die ich nur beruflich kenne, und bei den Anderen bekomme ich oft einen Widerwillen, ins Detail zu gehen, und sage, "Geht so", und wechsle das Thema. Das ist im Wesentlichen das Gefühl, daß es gar nichts hilft, daß man mit den eigentlichen Fragen nicht weiterkommt, wozu dann alles breit auslegen.

Bis vor ein paar Jahren war ich eigentlich immer sehr zuversichtlich, daß Reden hilft. Die Gespräche am Küchentisch, bei denen man das Gefühl hatte, wirklich weiterzukommen, die fehlen mir. Heute beguckt man die Abhängigkeiten und Verpflichtungen mal von links und mal von rechts, ja. Vielleicht sollte ich mich mal um die Frankfurter Schule kümmern, oder vielleicht lieber gleich um die Neue Frankfurter Schule.

Sonntag, 18. Dezember 2005

Jammer, jammer, Befindlichkeitsbloggen.

Scheiß Nacht, mit Magenschmerzen um den Tisch getigert, weil das noch die beste Variante war. Anschließend Kamillentee und eine Untertasse weißen Reis zum Frühstück. Hm.

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